Tagung der Patristischen Arbeitsgemeinschaft 2028
Über diesen Kongress
Zeiterfahrung und Zeitgestaltung
„Was also ist Zeit? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht. Aber zuversichtlich behaupte ich zu wissen, dass es vergangene Zeiten nicht gäbe, wenn nichts verging, und nicht zukünftige Zeit, wenn nichts herankäme, und nicht gegenwärtige Zeit, wenn nichts seien wäre.“ Mit diesen bekannten Sätzen beginnt Augustinus seine zentralen Reflexionen zum Thema „Zeit“ (conf. 11,14,17). Dass ausgerechnet ein christlicher Bischof diese Zeilen verfasste, weist darauf hin, dass die vielschichtigen Prozesse der Christianisierung in der Spätantike auch die Zeiterfahrung und Zeitgestaltung betrafen. Daher widmet sich die Tagung der PAG diesem Thema und möchte weitere Aspekte davon beleuchten.
Save the Date!
Tagung der Patristischen Arbeitsgemeinschaft vom 2.-5. Januar 2028 in Wien Weitere Informationen werden auf dieser Seite bekanntgegeben!
Die Zeit – drei Annäherungen
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Kalender als Matrix
Das Zusammenleben in einer Gemeinschaft ist nicht nur durch den gemeinsamen Raum geprägt, sondern auch durch gesellschaftlichen Konsens über die Zeitstrukturen, die sich nach der Tageszeit, dem Wochentag, dem Tag des Monats oder dem Monat des Jahres ausrichten. Der dabei vorausgesetzte Kalender ist das unsichtbare Netzwerk, eine Art Matrix, ein temporales Ordnungsmuster, in das jeder für sich seine Fixpunkte einträgt ‒ woraus umgekehrt wieder sichtbar wird, wofür jemand oder eine Gruppe die Zeit nutzt und was ihr oder ihm wichtig ist. Das Funktionieren einer Gesellschaft beruht wesentlich darauf, sich auf eine Strukturierung der gemeinsamen Zeit (z.B. Zeit zum Arbeiten, zum Reisen, zum Feiern und Opfern, zum Beten, zum Lernen, zum Ein- und Verkaufen, zum Versammeln, zum Prozessieren vor Gericht, zum Schulden-oder-Steuern-Bezahlen) zu einigen, um individuelle und überindividuelle Aktivitäten zu koordinieren und zu synchronisieren. Das Verständnis und die Organisation von Zeit beruhen auf einer sozialen Übereinkunft; es handelt sich um gesellschaftliche Konvention und Tradition. Das ist seit dem einschlägigen Beitrag von Norbert Elias „Über die Zeit“ (Frankfurt 1984) eine wichtige Einsicht.
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Christianisierung der Zeit
Das Phänomen der Christianisierung von Zeit und Kalender ist eine vielschichtig und dynamische Entwicklung in der Spätantike und betrifft ganz unterschiedliche Aspekte (Historiographie / Chronistik; Naherwartung / Apokalyptik; Festkalender mit Fasten- und Feierzeiten; Computistik; Wochenrhythmus und Sonntage; Geburtstage / Todestage / Märtyrertage / Datierungen; Schöpfung und Zeitbeginn; Eschaton und Ende der Zeit; Zeitalter, Lebensalter und Äonen; Exegese; Zahlenspekulationen; Prophetie; Astronomie / Astrologie; Heilige Zeiten / Unglückzeiten / Gute Zeiten und schlechte Zeiten / Goldenes Zeitalter; Zeit und Erinnerung und Vergessen …). Wie interpretierten Christen die Zeit und den Kalender, um ihre Ansichten zur Schöpfung, Ethik, Hoffnung und Erlösung zum Ausdruck zu bringen?
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Temporalities
Die Untersuchung der Zeit, ihrer Wahrnehmung durch den Menschen und ihrer Auswirkungen auf die menschliche Lebenserfahrung ist eine facettenreiche Perspektive. Hier wird Zeit nicht nur als messbare Dimension behandelt, sondern es geht um die vielfältigen Möglichkeiten, in denen Zeit mit der menschlichen Existenz, Handlungsfähigkeit und Vorstellungswelt verflochten ist. Denn „Zeit“ ist keine absolute Kategorie, sondern wird von Menschen definiert, erschlossen und gefüllt. Wie nehmen Menschen also Zeit wahr, strukturierten sie und interagierten mit ihr? Wie sahen Menschen ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Welche praktischen Möglichkeiten der Zeitansage, Zeitbemessung und Zeitstrukturierung standen zur Verfügung? Was wird als gute Zeit, vertane Zeit, verlorene Zeit, notwendige Zeit betrachtet?
Vorbereitungsteam
Die Tagung wird organisiert von der Patristischen Arbeitsgemeinschaft 2028.
Uta Heil
Wien
David Burkhart Janssen
Tübingen
Johanna Jürgens
München
Charlotte Köckert
Erlangen
Philipp Pilhofer
Wien
Ulrich Volp
Mainz
Martin Wallraff
München